Rund jeder vierte Lehrvertrag wird vorzeitig aufgelöst. Immerhin: Vier von fünf Lernenden finden einen anderen Ausbildungsplatz und können so die angefangene Lehre beenden oder in einem anderen Beruf neu beginnen. Lehrvertragsauflösungen mögen häufig eine unumgängliche Massnahme sein; es gibt jedoch auch Lehrvertragsauflösungen, die zu vermeiden gewesen wären, hätte man entsprechende Vorkehrungen getroffen.
- Sorgfältiges Selektionsverfahren: Jugendliche sollten ein realitätsnahes Bild von ihrem Wunschberuf und vom Berufsalltag erhalten. Das beste Mittel dazu: Schnupperlehren. Dabei dürfen nicht nur die positiven Seiten eines Berufs gezeigt werden.
- Vertrauensvolle Begleitung: Lernende brauchen Ansprechpersonen, denen sie vertrauen und die ihnen regelmässig Feedback geben – im Alltag und in regelmässigen Standortgesprächen. Im Rahmen einer vertrauensvollen Begleitung werden Warnsignale – Verhaltensänderungen, Motivationsverlust, Leistungsabfall usw. – frühzeitig erkannt.
- Professionelle Unterstützung: In heiklen Situationen oder bei zwischenmenschlichen Konflikten kann es hilfreich sein, die Ausbildungsberatung als neutrale Vermittlerin beizuziehen. Typische Beispiele sind zwischenmenschliche oder arbeitsrechtliche Konflikte sowie schwierige Themen wie psychische Belastungen von Lernenden.
Eine Lehrvertragsauflösung kostet einen Lehrbetrieb im Schnitt rund 1000 Franken. Kein Vermögen also. Rechnet man jedoch die immateriellen Kosten dazu – die Enttäuschung, die schwierigen Gespräche – lohnt es sich, obige Punkte zu beherzigen.
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