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Maja Neuenschwander – «Wer ans Ziel kommen will, braucht einen langen Atem»

Sie hat sich als Marathonläuferin einen Namen gemacht. Heute engagiert sie sich in Beruf und Politik für den Sport. Bei Swiss Olympic verantwortet sie unter anderem das Label «Leistungssportfreundlicher Lehrbetrieb». Maja Neuenschwander im Interview-Halbmarathon des Berufsbildungsbriefs.

Rolf Marti

«Ich habe mir nach jedem Marathon etwas Schönes gegönnt – zum Beispiel eine exklusive Kaffeemaschine», sagt Maja Neuenschwander. Bild: Sandra Stampfli-Leuzinger.

Sie sind Gemeinderätin, Langstreckenläuferin, Historikerin, Grossrätin, Sportlehrerin, Swiss Olympic-Bereichsleiterin. Welchen Hut tragen Sie am liebsten? Und: Fehlt einer in der Aufzählung?
Einige dieser Hüte habe ich für immer zur Seite gelegt, andere könnte man noch erwähnen: Ich bin auch Dozentin, Referentin und Kolumnenschreiberin. Offenbar bin ich gut darin, die Hüte zu wechseln und zuweilen mehrere gleichzeitig zu tragen … (schmunzelt).

Sie leiten bei Swiss Olympic den Athlete Hub, der das Label «Leistungsportfreundlicher Lehrbetrieb» vergibt. Wie leistungssportfreundlich sind die Lehrbetriebe?
Sie sind überaus sportaffin. Jedes Jahr interessieren sich mehr Betriebe für unser Label. Das ist nicht selbstverständlich. Sporttalenten eine Berufsausbildung ermöglichen, bedeutet Mehraufwand. Die Ausbildung muss auf die Trainings- und Wettkampfzeiten abgestimmt werden. Das erfordert von den Betrieben viel Flexibilität. Wir sind uns bewusst, dass nicht alle Lehrbetriebe diese Flexibilität aufbringen können. In Berufen mit unregelmässigen Arbeitszeiten ist die Kombi Leistungssport/Ausbildung kaum zu bewerkstelligen.

Weshalb setzt sich Swiss Olympic nicht dafür ein, Sport zum Beruf zu machen? Sie könnten eine Lehre als Sportler/in EFZ initiieren.
Früher gab es die sogenannte Ogi-Lehre – benannt nach Bundesrat Adolf Ogi. Sie war jedoch nicht von Erfolg gekrönt, weil sie zu stark auf den Sport fokussierte und zu wenig anschlussfähig war. Aber Sie treffen den Punkt: Zurzeit läuft bei Swiss Olympic die Vorstudie zum Beruf «Sportfachfrau/mann EFZ». Er soll junge Menschen ansprechen, die im Umfeld des Sports arbeiten möchten – in den Bereichen Training, Gesundheitsprävention, Eventkoordination oder Networking. Der Beruf soll primär transversale Kompetenzen vermitteln und sich im Gegensatz zur Ogi-Lehre nicht nur an Sporttalente richten.

Seit diesem Monat sind Sie Grossrätin. Bestimmt werden Sie sich für Jugendliche einsetzen, die Ausbildung und Leistungssport verbinden wollen. Weihen Sie uns in Ihre Pläne ein?
Nein – weil ich noch keine habe. Aber Sie können davon ausgehen, dass ich die Interessen des Sports und der jungen Sporttalente in die Politik einbringen werde.

Drei persönliche Fragen. Die aktuelle Weltrekordinhaberin ist die Marathondistanz rund 17 Minuten schneller gelaufen als Sie. Wofür würden Sie diese gewonnen Minuten einsetzen?
Wäre ich so schnell gelaufen, hätte ich mich 17 Minuten länger in der Siegeszone feiern lassen … (lacht). Besondere Momente muss man bewusst geniessen. Und man darf sich für eine gute Leistung auch mal belohnen. Ich habe mir nach jedem Marathon etwas Schönes gegönnt – zum Beispiel eine exklusive Kaffeemaschine.

Wie gehen Sie zur Arbeit: fahrend oder rennend?
Per «Bike ’n’ Rail», weil ich meist viel Gepäck dabei habe und nicht gerne mit Rucksack renne. Aber ich renne noch jeden Tag rund eine Stunde – meist früh morgens. Das ist Meditation, gibt Kraft und hilft, die Balance zu halten.

Welcher Marathon ist anstrengender – jener auf der Strasse oder jener in der Politik?
Jener auf der Strasse geht schneller vorbei … (lacht). Aber es gibt Gemeinsamkeiten zwischen Marathon und Politik: Man muss sich in beiden Bereichen auf ein Ziel fokussieren und braucht einen klaren Plan, wie man es erreichen will. Unterwegs muss man agil bleiben und den Plan modifizieren, wenn sich die Umstände ändern. Und: Wer ans Ziel kommen will, braucht einen langen Atem – im Marathon wie in der Politik.

Wir haben die Ziellinie des Interviews erreicht. Brauchen Sie nach diesem Halbmarathon eine Regenerationsphase oder packen Sie gleich die nächste Aufgabe an?
Ich bin vor unserem Gespräch schon genug hin- und hergerannt. Jetzt steht die Erholungsphase an: Garten, Jassen, Essen, Trinken und dabei alle Energiedepots auffüllen.

Zur Person

Maja Neuenschwander (46) machte sich einen Namen als Langstreckenläuferin. Sie holte insgesamt sechs Schweizermeistertitel in den Disziplinen Marathon, Halbmarathon und Crosslauf lang. Als Marathonläuferin startete sie 2012 bei den Olympischen Spielen in London (Rang 53) und 2016 in Rio (Rang 29). 2020 beendete sie ihre Sportkarriere. Maja Neuenschwander hat Geschichte und Sportlehrerin studiert. Heute arbeitet sie als Bereichsleiterin Athlete Hub bei Swiss Olympic, dem Dachverband des Schweizer Sports. Politisch engagiert sie sich für die Grünliberale Partei im Gemeinderat von Rubigen und seit Juni 2026 im Grossen Rat des Kantons Bern

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