Kristina Andrić ist Leiterin Berufsbildung bei Coiffure Suisse. Das Rüstzeug für ihre anspruchsvolle Funktion hat sie sich unter anderem mit der Weiterbildung zur Berufsbildungsfachfrau mit eidgenössischem Fachausweis (FA) geholt. Im Interview erzählt sie, wie sie davon in ihrer beruflichen Praxis profitiert.
Rolf Marti

Frau Andrić, Sie engagieren sich in der Berufsbildung. Gab es einen Auslöser, der Ihnen bewusst gemacht hat: Berufsbildung ist mein Ding?
Ja. Ich habe als Kauffrau EFZ längere Zeit beim Schweizerischen Dienstleistungszentrum Berufsbildung | Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung (SDBB) gearbeitet. Das hat mir gezeigt, wie vielfältig, faszinierend und wertvoll unser Berufsbildungssystem ist. Seither ist die Berufsbildung eine meiner Leidenschaften … (lacht).
Heute sind Sie Leiterin Berufsbildung bei Coiffure Suisse. An welchen Themen arbeiten Sie?
Kurz bevor ich 2024 zu Coiffure Suisse kam, wurde die letzte Fünfjahresüberprüfung für die beiden Grundbildungen – EBA, EFZ – abgeschlossen. Zu meinen ersten Aufgaben gehörte es, Umsetzungsdokumente wie die Ausbildungsprogramme für Lehrbetriebe und die überbetrieblichen Kurse oder die Ausführungsbestimmungen für das Qualifikationsverfahren zu erarbeiten. Das erste Grossprojekt, das ich selbst initiieren konnte, war die digitale Bildungsplattform für Lernende und Berufsbildende. Aktuell führe ich Schulungen und Workshops durch, um die Plattform in der Praxis zu etablieren. Weiter beschäftigt mich zurzeit eine Studie, die wir mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) durchführen. Sie untersucht, wie Lernende soziale Herausforderungen meistern und wie wir ihre Resilienz stärken können. Das sind nur einige Themen, die zu meinem Aufgabenbereich gehören.
Sie haben 2025 den Lehrgang zur Berufsbildungsfachfrau abgeschlossen. Was hat Sie zu dieser Ausbildung bewogen?
Ich wollte meine praktischen Erfahrungen theoretisch untermauern und mich gleichzeitig fit machen für die Funktion als Geschäftsleitungsmitglied von Coiffure Suisse.
Welche fachlichen und persönlichen Interessen und Kompetenzen sollte man mitbringen, um in die Ausbildung einzusteigen?
Man sollte gerne kommunizieren, weil in der Berufsbildung der Austausch mit Lernenden, Berufsbildenden und Behörden zentral ist. Zudem sollte man flexibel sein, da die Berufsbildung ein dynamisches System ist, das zuweilen individuelle Lösungen erfordert. Auch Geduld ist von Vorteil, denn manchmal dauert es länger, bis eine Idee umgesetzt werden kann. Schliesslich muss man bereit sein, Verantwortung zu tragen und Entscheidungen mit teils weitreichenden Auswirkungen für Lernende und Berufsbildende zu treffen.
Wie ist der Lehrgang aufgebaut?
Der Lehrgang kann über ein oder über zwei Jahre absolviert werden. Er umfasst vier Module, jedes endet mit einer praxisnahen Arbeit, beispielsweise einer Präsentation. Der Unterricht findet mehrheitlich im Rahmen von Präsenztagen in Bern oder Zürich statt.
Wie gut ist die Ausbildung mit einer beruflichen Tätigkeit vereinbar?
Das Pensum ist intensiv, aber bewältigbar. Vieles wird anhand von Aufgaben aus dem eigenen Arbeitsumfeld erarbeitet. Das macht die Ausbildung effizient. Trotzdem sollte man rund einen Tag pro Woche einberechnen – je nach Vorbildung und persönlichem Anspruch etwas mehr oder weniger.
Wie profitieren Sie in Ihrer heutigen Funktion vom Gelernten?
Theorie und Praxis sind eng verknüpft. Ich konnte das Gelernte sofort in meiner Arbeit anwenden. Einen grossen Mehrwert bildet das Netzwerk, das ich während der Ausbildung aufbauen konnte. Am meisten profitiere ich jedoch davon, dass ich enorm an Sicherheit gewonnen habe. Heute weiss ich, dass ich meine Rolle absolut professionell ausfülle.
Wem würden Sie den Lehrgang empfehlen?
Allen, die leidenschaftlich in der Berufsbildung unterwegs sind und eine übergeordnete und strategische Rolle in diesem Bereich anstreben. Die Ausbildung eröffnet viele Perspektiven – sei es in einem Grossbetrieb, einem Berufsverband oder einem Berufsbildungsamt.
Werde Berufsbildungsprofi
Der Lehrgang «Berufsbildungsfachfrau/-fachmann» bereitet auf verantwortungsvolle Aufgaben in Lehrbetrieben, Organisationen der Arbeitswelt, Berufsbildungsämtern und anderen Institutionen der Berufsbildung vor. Er wird mit einem eidgenössischen Fachausweis abgeschlossen. Trägerin ist die Schweizerische Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK). www.fachleute-bb.ch
Bundesbeiträge für eidgenössische Prüfungen
Der Bund unterstützt Absolventinnen und Absolventen, die sich auf eine eidgenössische Prüfung vorbereiten, finanziell. Mehr dazu unter diesem Link.
Mit dem kostenlosen Newsletter-Abonnement verpassen Sie keinen Beitrag im Berufsbildungsbrief. Der Newsletter erscheint fünf- bis sechsmal pro Jahr.
Jede Woche erscheint in Berner Tageszeitungen der «Einsteiger» – ein redaktioneller Beitrag zu den Themen Berufswahl, Berufsbildung, Mittelschulbildung, Weiterbildung.