Wo Menschen eng zusammenarbeiten, wird unangenehmer Körpergeruch zur Belastung. Auch unpassende Kleidung kann zum Problem werden – besonders bei direktem Kundenkontakt. Berufsbildende sollten dies ansprechen. Denn auch Körperhygiene und angemessene Kleidung sind berufliche Kompetenzen.
Rolf Marti

Du riechst. Am Arbeitsplatz traut sich kaum jemand, so etwas zu einer Kollegin oder einem Kollegen zu sagen. Aus Angst, die betreffende Person zu verletzen. Vielleicht auch aus Unsicherheit oder weil einem dieses intime Thema schlicht peinlich ist. Doch unangenehmer Körpergeruch stört und lenkt von der Arbeit ab. Eine Belastungsprobe für das Team.
Herausfordernd ist auch, wenn Mitarbeitende unangemessen gekleidet sind. Selbst in Branchen ohne Berufskleidung gibt es meist einen Dresscode – also Erwartungen, wie man am Arbeitsplatz erscheinen sollte. Schmutzige Kleider, sichtbare Unterwäsche, freizügige Dekolletés oder Baseballcaps wirken unprofessionell und können gerade im Kontakt mit Kundinnen und Kunden negative Folgen haben.
Ansprechen – aber richtig
Klar ist: Adäquates Auftreten am Arbeitsplatz ist eine berufliche Kompetenz. Wo sie nicht gegeben ist, muss sie vermittelt werden. Für Berufsbildende bedeutet dies, dass sie Lernende darauf ansprechen. Das erfordert diplomatisches Geschick. Gut zu wissen: Selten liegt böswilliges Verhalten vor. Menschen nehmen ihren eigenen Geruch kaum wahr. Sie wissen also nicht, dass er andere unter Umständen stört. Was die Kleidung betrifft: Die Geschmäcker sind verschieden – aber im beruflichen Kontext gelten implizite Regeln.
Entscheidend ist, dass die verantwortlichen Personen rasch reagieren und das Thema direkt ansprechen. Indirekte Hinweise wie demonstratives Lüften oder allgemeine Bemerkungen über Körperhygiene und Kleidung helfen selten weiter. Das Gespräch sollte in einem geschützten Rahmen stattfinden und wertschätzend – nicht anklagend – geführt werden. Idealerweise werden die vereinbarten Massnahmen schriftlich festgehalten.
Begründen – aber motivierend
Wichtig: Die betreffenden Lernenden müssen verstehen, warum ihr Verhalten für andere Mitarbeitende und für den Lehrbetrieb problematisch ist. Wenn sie begreifen, weshalb andere auf Distanz gehen, hinter ihrem Rücken tuscheln oder indirekte Bemerkungen machen, sind sie eher motiviert, auf Körperhygiene und Kleidung zu achten. Oft sind Lernende dankbar für konkrete Tipps. Das Gespräch sollte wertschätzende Bemerkungen zum allgemeinen Verhalten und zu den fachlichen Leistungen enthalten – und mit einem Dank für den offenen Austausch schliessen.
Fazit: Körperhygiene und passende Kleidung sind Teil des professionellen Auftretens. Fehlen diese Kompetenzen, sollten Berufsbildende respektvoll eingreifen und die Lernenden auf ihrem Weg zu selbstbewussten, souveränen Berufsleuten anleiten.
Merkblatt
Das SDBB-Merkblatt 214 «Körperhygiene – saubere Kleider» bietet Berufsbildenden konkrete Hilfestellungen: Hintergrundinformationen, Gesprächsanleitungen mit Dos und Don’ts, Hygienetipps und Hinweise zum Dresscode.
Jede Woche erscheint in Berner Tageszeitungen der «Einsteiger» – ein redaktioneller Beitrag zu den Themen Berufswahl, Berufsbildung, Mittelschulbildung, Weiterbildung.
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