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Kompetenzraster – So gelingt der Start in der Berufsfachschule

Der Lehrvertrag ist unterzeichnet. Jetzt kann ich zurücklehnen – denken wohl einige Jugendliche. Doch: Wer sich nicht vorbereitet, riskiert einen Fehlstart in der Berufsfachschule. Deshalb sollten Berufsbildende ihre künftigen Lernenden auf die Kompetenzraster hinweisen. Sie helfen, Lücken zu erkennen und zu schliessen.

Rolf Marti 

Kompetenzraster: Mit einem Klick Übungen generieren.

Im Sport gilt: Der Start kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Ganz so dramatisch ist es in der Lehre nicht. Trotzdem ist es wichtig, gut in die Lehre zu starten. Das gibt Sicherheit. Bezogen auf die Berufsfachschule bedeutet dies, dass man über die im gewählten Lehrberuf verlangten Kompetenzen in Mathematik und Deutsch verfügt. Der Unterricht baut darauf auf. Was in den einzelnen Lehrberufen vorausgesetzt wird, zeigen die Kompetenzraster der Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Bern. Sie sind zurzeit nur auf Deutsch verfügbar. Eine Plattform mit Kompetenzrastern für den französischsprachigen Kantonsteil ist im Aufbau.

Das leisten die Kompetenzraster

Die Kompetenzraster beschreiben für jeden Beruf detailliert, was beispielsweise bezüglich Geometrie, Potenzrechnen, Textverständnis oder schriftlichem Ausdruck verlangt wird. Der eigentliche Mehrwert besteht jedoch darin, dass die Jugendlichen zu den einzelnen Kompetenzen mit einem Klick Übungen generieren können. Angehende Kaufleute klicken beispielsweise auf «Brüche kürzen, erweitern, addieren und subtrahieren» und erhalten ein auf ihren Lehrberuf zugeschnittenes Aufgabenblatt mit Lösungen. Die Kompetenzraster ermöglichen so eine Standortbestimmung: Die Schülerinnen und Schüler erkennen Lücken und können diese gezielt schliessen – auch im Unterricht der 8. und 9. Klasse und mit Unterstützung der Lehrpersonen. Alle Aufgaben orientieren sich am Lehrplan 21.

Das können Berufsbildende tun

Berufsbildende sollten deshalb ihre künftigen Lernenden beim Vertragsabschluss auf die Kompetenzraster hinweisen – und ihnen einen ersten Arbeitsauftrag erteilen: «Bereitet euch damit auf den Lehreinstieg vor». Sich in der Schule zurücklehnen, bis die Lehre beginnt, ist nicht zielführend. Wer gut aus den Startblöcken kommt, kann motiviert weitermachen. Wer früh in Rückstand gerät, muss sich zusätzlich anstrengen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Das bedeutet oft Stütz- und Förderkurse besuchen, was sowohl zeitlich als auch psychisch belastend ist. Beides kann auf die Motivation drücken.

Das ist ein Mehrwert für alle

Die Kompetenzraster sind kein Test, sondern eine Orientierungshilfe und ein Lerninstrument. Diese Botschaft ist für die Jugendlichen wichtig. Die meisten reagieren positiv, wenn sie wissen, wie sie zum erfolgreichen Lehrstart beitragen können. Und von diesem profitieren letztlich alle: die Jugendlichen selbst, indem sie den neuen Lebensabschnitt sicher und motiviert angehen, die Berufsfachschulen, indem sie weniger Nachholbedarf auffangen müssen, und die Lehrbetriebe, indem sie von Anfang an auf leistungsfähige Lernende zählen können. 

  • Zu den Kompetenzrastern

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