Die kantonalen Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungen haben ein Konzept zu den Laufbahngestaltungskompetenzen erarbeitet und veröffentlicht. Daniel Reumiller sagt, was es damit auf sich hat. Er ist Leiter BIZ Kanton Bern und Präsident der Schweizerischen Konferenz für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung (SK BSLB).
Peter Brand

Herr Reumiller, ein Konzept zu den Laufbahngestaltungskompetenzen. Warum braucht es das?
Dass man für eine erfolgreiche Gestaltung der eigenen Laufbahn Kompetenzen benötigt, ist natürlich nicht neu. Im Wesentlichen geht es um die Fähigkeit, Ziele für den Berufsweg zu definieren, Ressourcen und Hindernisse auf dem Weg dorthin zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Jede Phase der Ausbildung und des Erwerbslebens erfordert diese Kompetenzen wieder in etwas anderer Ausprägung. Es war uns ein Anliegen, dies im Rahmen eines Konzepts im Gesamtzusammenhang aufzuzeigen, um das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Entwicklung dieser Kompetenzen in Fachkreisen, aber auch in der Bevölkerung, zu stärken. Deshalb haben wir ein Konzept in Auftrag gegeben und sind nun daran, es breiter zu kommunizieren.
Das Konzept richtet sich vorerst an das Fachpublikum. Wer genau ist damit gemeint?
In einem ersten Schritt geht es darum, dass Fachpersonen aus dem Bildungsbereich – Berufs-, Studien- und Laufbahnberatende, Bildungsanbieter, Ausbildende – sowie Entscheidungstragende aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Konzept vertraut werden. Sie sollen verstehen, was damit gemeint ist, wie Laufbahngestaltungskompetenzen entwickelt werden können, und was sie in ihrer jeweiligen Funktion dazu beitragen können.
Wann und wie erfolgt die Umsetzung für Personen, die an ihrer beruflichen Situation arbeiten möchten?
Grundsätzlich geschieht das im Alltag bereits heute in verschiedenen Kontexten. Das Gesamtkonzept soll aber helfen, das Bewusstsein für die Bedeutung von Laufbahngestaltungskompetenzen zu schärfen und deren Förderung im jeweiligen Kontext besser zu verankern. So kann zum Beispiel erreicht werden, dass Lehrpersonen sich besser bewusst werden, welche Bedeutung gewisse Kompetenzen für die berufliche Laufbahn von Kindern und Jugendlichen haben. Oder HR-Fachpersonen können Mitarbeitende besser dabei unterstützen, sich damit auseinanderzusetzen, was es braucht, um eine möglichst hohe Arbeitszufriedenheit zu haben und die eigene Arbeitsmarktfähigkeit zu erhalten und weiterentwickeln.
Wie werden diese Personen das Konzept konkret nutzen können?
Die meisten Erwachsenen kommen in die Laufbahnberatung, weil sie etwas an ihrer beruflichen Situation verändern möchten oder müssen. Unsere Beratenden vermitteln dabei nicht nur Informationen, sondern unterstützen die Kundinnen und Kunden dabei, nach einer Beratung dranzubleiben, Entscheidungen zu treffen und Pläne nachhaltig umzusetzen.
Inwiefern profitieren auch die Lehrbetriebe von Laufbahngestaltungskompetenzen?
Wenn Lernende sich bewusst damit auseinandersetzen, welche Möglichkeiten ihnen eine Berufslehre für die Entwicklung ihrer weiteren Laufbahn eröffnet, werden sie motivierter sein, bewusster lernen und bereit sein, ihr Potenzial bestmöglich zu nutzen. Das ist für Lehrbetriebe von unschätzbarem Wert.
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